Vereinsgeschichte Teil 1: 1960 - 1985

1960
Am 28.10.1960 tagte die Gründungsversammlung unseres Vereins unter der Federführung von Herrn Dr. Eberle, dem damaligen Vorsitzenden des Landesfischereiverbandes Südwürttemberg-Hohenzollern.

Das Anliegen, die Sportfischerei weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich zu machen, war für die Anwesenden Anlass dieser Vereinsgründung.

Als Gründungsmitglieder fungierten die Herren

Josef Blaser, Josef Brüstl, Helmut Felger, Arwed Geister, Herbert Geister, Heinz Herzhauser, Hans Holzhauer, Leopold Matheis, Wendelin Maunz, Ludwig Mehltretter, Karl-Wolfgang Rühring, Karl Schmid und Heinz Ukowitz.

Weitere drei Sportfischer waren bei dieser Gründungsversammlung anwesend.

Als Starthilfe überreichte Dr. Eberle 200,- DM - das erste Kapital des jungen Vereins. Die Einstimmigkeit bei den Wahlen war zu erwarten und brachte folgendes Ergebnis:

  • 1. Vorsitzender: Wolfgang Rühring
  • 2. Vorsitzender: Ludwig Mehltretter
  • Schriftführer: Arwed Geister
  • Kassier: Leopold Matheis

Der Verein wurde am 28.11.1960 unter der Nr. 154 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Biberach eingetragen.

1961
Dieses und die folgenden Jahre waren geprägt vom Willen des Vereins, möglichst gute und ausreichende Fischereigewässer in Pacht zu nehmen.

Der Verein erhielt kurzfristig die Möglichkeit, den Baggersee in Ummendorf zu besetzen.

Am Spitzweiher bei Ringschnait wurde begonnen, aus einer verschlammten Pfütze mit einer Wasserfläche von ca. 40 m2, eingebettet in versumpftes Gelände von fast 2 ha, das Gewässer in seiner ursprünglichen Größe wieder "freizulegen". Für diese Arbeiten konnte Herr Friedrich gewonnen werden, der den Ausbau leitete und über die Firma, bei der er tätig war, die benötigten Geräte und Werkzeuge kostenlos beschaffen konnte. Die Mitglieder Mehltretter, Rühring und H. Geister stellten sich sofort zur Verfügung, so dass umgehend mit dem Ausbaggern begonnen werden konnte. Nach Feierabend und jeden Sonn- und Feiertag wurde mit größtem Eifer gearbeitet. Bis zu 600 Arbeitsstunden wurden von einzelnen Mitgliedern geleistet. Nach 2 Jahren, mit dem Setzen eines Mönchs, waren die gröbsten Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Der See konnte bespannt werden und bildete das erste Angelgewässer des jungen Vereins.

1962
Der Spitzweiherausbau ging 1962 seinem Ende entgegen. Das Fassungsvermögen wurde auf 30.000 m3 gebracht. Das ist eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, wie wenige Leute dieses Projekt bewältigt haben.
Aus diesem Wasserloch wurden mehr als 10.000 einjährige Schleien und ein Karpfen von über 10 Pfund abgefischt und in den Baggersee Ummendorf umgesetzt.

Die gemäß der Vereinssatzung fälligen Neuwahlen ergaben keine Änderung der Vorstandschaft.

1963
Der Ankauf einer Fischerhütte zum Preis von 300,- DM brachte die Kasse bei einem Bestand von 600,- DM in recht große Schwierigkeiten, wurde aber dennoch beschlossen.

Die Absicht, ein weiteres Gewässer (den Krautweiher) zu pachten, musste aufgrund der zu hohen Pachtkosten fallen gelassen werden.

In Erolzheim erhielt der Verein die Gelegenheit, einen kleinen Baggersee abzufischen, der zugeschüttet werden sollte. Alle Vereinsmitglieder beteiligten sich an dieser Abfischaktion, die mehr als drei Wochenenden in Anspruch nahm. Als Ergebnis konnten über 800 K1 und ca. 25 Stück K3 bis K4 als Besatz in den Spitzweiher eingebracht werden.

In diesem Winter konnten wir in Schussenried den ersten Besatz kaufen. Bedingung war, dass wir mit einem "Tausendmarkschein" bezahlen können.

1964
Im Jahre 1964 wurde der Verein von einem neuen Vorstand geführt. Hermann Rach übernahm dieses Ehrenamt und wurde unterstützt von Willi Friedrich, dem 2. Vorsitzenden.

Bemühungen, weitere Angelgewässer anzupachten schlugen fehl.

Die Beiträge betrugen 4 Jahre nach Gründung des Vereins 40,- DM für aktive Mitglieder.

Das Fangergebnis für das Jahr 1964 stellte sich wie folgt dar:

  • 50 Karpfen
  • 57 Schleien
  • 1 Rotauge

1965
Aus beruflichen Gründen musste der 1. Vorstand sein Amt zur Verfügung stellen. Die neuen Vorstände hießen jetzt Willi Friedrich als erster und Wolfgang Rühring als zweiter Vorsitzender.

Der erste Fischerstammstisch wurde ins Leben gerufen. Eine Tradition die lange gepflegt werden sollte.

Ein Besatz von 600 K1 wurde in den Spitzweiher eingebracht.

1966
1966 wurde mit dem Besitzer des Spitzweihers erstmals über eine Weiterpachtung verhandelt. Herr Romig aus Ravensburg bot den Weiher zum Kaufpreis von 45.000,- DM an. Dieses Angebot musste mangels ausreichender Liquidität abgelehnt werden, so dass sich der Pachtpreis fortan auf 900,- DM pro Jahr belief. Es konnte erreicht werden, dass die Pachtzeit auf 12 Jahre festgeschrieben wurde.

Die Vorstandschaft Friedrich / Rühring wurde einhellig bestätigt.

Als Novum wurde die Möglichkeit gewertet, dass Ehefrauen zum besonders günstigen Passivbeitrag angeln dürfen. Dies war der erste Schritt zur Emanzipation der Fischerfrau, die sich bis heute fortgesetzt hat.

1967
In diesem Jahr zählte der Verein 43 Mitglieder.

Bezüglich der Wiederanpachtung des Baggersees Ummendorf entstanden in der Vorstandschaft Meinungsverschiedenheiten. Die Privatanpachtung des Angelgewässers Baggersee durch Herrn Rühring konnte durch den Einsatz des 1. Vorsitzenden rückgängig gemacht werden. Der Besitzstand des Vereins wurde damit gewährt. Herr Rühring musste als Konsequenz den Verein verlassen.

Die Entlastung des Vorstandes wurde dennoch einstimmig erteilt. Als neuen 2. Vorsitzenden wählten die Mitglieder Herrn G. Ritthaler.

Die Ablegung der Fischerprüfung wurde für jedes Mitglied zur Pflicht gemacht.

Als richtungweisender Schritt für die Wandlung der Interessen eines Fischereivereins wurde beschlossen, Köderfische mit abgeklemmtem Widerhaken zu fangen und das Befischen der Gewässer nur mit einer Handangel zu gestatten.

1968
1968 war ein Rückgang der Mitglieder von 43 auf 35 zu verzeichnen.

Die Bemühungen um weitere Angelmöglichkeiten scheiterten an den zu weiten Entfernungen der angebotenen Fischgewässer oder an den zu hohen Kosten.

Die Vorstandschaft bemühte sich in Verhandlungen mit der Gemeinde Rissegg um den neu entstandenen Baggersee am Jordanei - leider ohne Erfolg.

1969
In diesem Jahr wurde vom Landesfischereiverband Südwürttemberg-Hohenzollern die Arbeitsgemeinschaft Donau gegründet. Diese Gemeinschaft sollte die Interessen der Vereine gegenüber dem Verband wahrnehmen. Z. B. sollten Besatzfische in größerem Stil eingekauft werden, um bessere Einkaufskonditionen zu erhalten.

Die Pacht des Spitzweihers wurde auf 1.200,- DM pro Jahr erhöht.

Bei einem Fangergebnis von 117 Karpfen wurde innerhalb von nur fünf Jahren das Ergebnis von 1964 um 100% übertroffen.

1970
Die Wiederanpachtung des Baggersees in Ummendorf brachte eine deutliche Steigerung der Mitgliederzahl auf über 50 Aktive mit sich. Zu den Neumitgliedern gehörten Menschen, die den Verein durch Ihr Engagement im weiteren Verlauf der Vereinsgeschichte mitprägen sollten:

Günter Richter, Eugen Neuner, Georg Maier, Ernst Schuster, Hans Schierok, Franz Julich und Harald Seidel.

Der Verein übernahm einen Teil der Angler, die vorher Tages- bzw. Jahreskarten von Herrn Rühring erworben hatten.

Die Finanzkraft des Vereins erhöhte sich durch diesen Mitgliederzuwachs erheblich. Die Aktivitäten bezüglich Gewässerschutz, sowie Hege und Pflege der Vereinsgewässer wurden deutlich erweitert.

1971
Im April des Jahres 1971 wurde die Gründung einer Jugendgruppe beschlossen um den eigenen Nachwuchs im Fischereiwesen heranzubilden.

Der von der Vorstandschaft forcierte Gedanke des Spitzweiherankaufs wurde von den Mitgliedern aufgegriffen. Man erwartete eine baldige Entscheidung in dieser Frage.

1972
Im Februar 1972 kam es erneut zu einem Wechsel in der Vorstandschaft. Rolf Pritsch wurde von der Jahreshauptversammlung gegen den Protest von Günter Rittahler zum 2. Vorsitzenden gewählt.

Der Aufruf der Vorstandschaft, endlich Eigentum zu schaffen, wurde akzeptiert und somit eine neue Ära im Vereinsleben begonnen. In einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung am 7. April 1972 wurde beschlossen, den Spitzweiher anzukaufen. Das vorgeschlagene "Bausteinprinzip" kam zur Anwendung, und der Spitzweiher wurde zu einem Preis von 59.000,- DM in Vereinsbesitz überführt.

Als weiterer Höhepunkt wurde die Anpachtung von 3,5 km Riß auf der Gemarkung Schweinhausen - Appendorf angekündigt. Diese Strecke bot man interessierten Mitgliedern zum Preis von 50,- DM / Jahr an, jedoch durfte nur mit der Fliege gefischt werden. Die Fliegenfischerei, die eleganteste und fischschonendste Art aller Fischereipraktiken wurde damit in Biberach etabliert.

Die Mitgliederzahlen beliefen sich nun auf 96 aktive, 14 jugendliche und 6 passive Mitglieder.

1973
Ende 1973 wurde zum ersten Mal eine Glassammlung durchgeführt und die Aktivitäten des Fischereivereins erneut erweitert. Dieses Recycling von Altglas war der erste Schritt in der neuen Zielrichtung in bezug auf unsere Umweltschutzmaßnahmen, die sich nicht auf die Fischerei bezogen. Wurden bei der ersten Sammlung lediglich 12.8 t Altglas gesammelt, so sollte sich diese Einrichtung bald als "stadtbekannt" herausstellen. Sie wurde von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen, die auch erkannte, dass Recycling aktiven Umweltschutz bedeutet.

Der Jahresbeitrag betrug zu dieser Zeit 150,- DM und jedes Mitglied war verpflichtet, 20 Arbeitsstunden zu je 5,- DM zu leisten.

1974
Dieses war ein entscheidendes Jahr der Vereinsgeschichte. Die Riß wurde als Vereinsgewässer angepachtet und jedem Mitglied zugänglich gemacht. Die Jugendgruppe erfuhr eine Aufwertung als eigenständiger Teil des Vereins und erhielt den Wolfentalbach als selbständig zu bewirtschaftendes Jugendgewässer.

Die ersten 1.000,- DM der als Bausteine erworbenen Spitzweiheranteile konnten an die Mitglieder zurückgezahlt, sprich ausgelost, werden.

Als Dank an die Bevölkerung Biberachs für das erste Jahr erfolgreich durchgeführter Altglassammlungen, wurden dem Bürgerheim zwei Zentner Forellen gespendet.

Die Ankündigung des 1. Vorsitzenden, Herrn Friedrich, bei den anstehenden Wahlen für die nächste Amtsperiode nicht mehr zu kandidieren, wurde mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen.

Hans Wölbert, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Südwürttemberg-Hohenzollern überreichte Herrn Friedrich die Silberne Ehrennadel des Verbandes. In seiner Laudatio würdigte er Herrn Friedrich als verdienten Mann, der alles in seinen Kräften stehende getan habe, um den Kreissportfischereiverein Biberach e.V. zu dem zu machen, was er geworden sei.

Herr Willi Friedrich wurde unter großem Beifall zum ersten Ehrenvorsitzenden der Vereinsgeschichte gewählt und mit der Goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet.

Die fälligen Neuwahlen erbrachten folgendes Ergebnis:

  • 1. Vorsitzender: Rolf Pritsch
  • 2. Vorsitzender: Ernst Schuster

Der neue Vorstand umriss in einer kurzen Ansprache seine Zielvorstellungen für die kommenden Jahre mit

  1. Intensivierung des Gewässer - und Umweltschutzes
  2. Aktivierung der Jugendarbeit
  3. Kontaktpflege zu Nachbarvereinen und -Behörden
  4. Fortführung der Altglassammlungen

1975
In einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung mussten die Mitglieder befinden, ob sie mit einem längerfristigen Pachtvertrag (10 Jahre) für den Baggersee einverstanden waren. Der Pachtpreis betrug derzeit pro Jahr 4.000,- DM.

Der in diesem Jahr begonnene Spitzweiherausbau wurde abgeschlossen. Die Wasserfläche war damit vergrößert und die Qualität dieses Angelgewässers wurde erheblich verbessert.

Auf dem Sektor des fischereilichen Besatzes gingen die Versuche weiter, heimische Fischarten in unseren Gewässern zu etablieren. Als Erstbesatz wurde ein Versuch gestartet, Felchen im Baggersee Ummendorf heimisch zu machen.

Die jetzt schon zum Standardrepertoire des Vereins gehörenden Altglassammlungen erbrachten bis Ende 1975 ca. 475 t Recyclinggut.

1976
Das herausragendste Ereignis des Jahres 1976 war der Pachtzuschlag für die 15 km lange Riß ab der Gemarkung Warthausen bis Schemmerberg. Die Anpachtung dieses Fließgewässers war ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Zumal damit auch eine Forellenaufzuchtanlage mitgepachtet werden konnte.

Die Vereinsführung vollzog zu dieser Zeit schon einen richtungweisenden Schritt zur Autonomie in Besatzfragen, der sich für die kommenden Jahre zum Eckpfeiler unserer Vereinspolitik entwickeln sollte.

Der Verein bewirtschaftete 1976 folgende Gewässer:

  • Riß bei Appendorf (3,5 km),
  • Riß ab Warthausen (15 km),
  • Baggersee Ummendorf,
  • Spitzweiher bei Ringschnait als Vereinseigentum.

1977
Die Pachtsituation bezüglich unserer Aufzuchtsmöglichkeiten wurde durch die Pacht des Tannwinkelweihers bei Ummendorf und des Fuchsweihers bei Rot an der Rot erheblich verbessert. Nun waren wir in der Lage, neben Salmoniden auch Cypriniden, vorrangig Karpfen und Schleien, selbst aufzuziehen. Dies war schon in der damaligen Zeit umso wichtiger, da reine Bestände kaum anders zu erhalten waren.

Der Kauf eines Gerätes zur Elektrofischerei und die Ausbildung einer Elektrofischergruppe versetzten den Verein in die Lage, kontrollierte Hege- und Pflegemaßnahmen des Fischbesatzes durchzuführen. Diese Anschaffung konnte nach einem großen Spendenaufruf unseres Vereins, an dem sich Spender der öffentlichen Hand, sowie der verschiedenen Biberacher Firmen beteiligten, getätigt werden. Mit diesem Gerät konnten wir auch schon über Kreisgrenzen hinaus tätig werden und zeigen, dass Hege und Pflege von Gewässern für uns nicht nur leere Worte waren.

Für den Gewässerwart wurde ein vereinseigener VW-Bus erworben.

Rolf Pritsch legte sein Amt aus dienstlichen Gründen nieder und erhielt für seine geleistete Arbeit und seine hervorragenden Dienste für den Verein die Goldene Ehrennadel.

Die Mitglieder wählten Ernst Schuster zum Vorsitzenden und Bruno Albrecht zu seinem Stellvertreter.

1978
Das Jahr 1978 brachte die Abrundung unseres Aufzuchtprogramms durch die Pacht der Forellenaufzuchtanlage in Warthausen. Bedingt durch schwankende Wasserstände und unterschiedlicher Wasserdurchläufe war die erste Anlage an der Ulmer Straße immer ein Risikofaktor.

Der 1. Vorsitzende begründete dieses Engagement mit seiner Vereinspolitik, die auch darauf abzielte, die enormen Besatzkosten in den Griff zu bekommen. Daneben war natürlich der eigene Besatz, der den Gegebenheiten unserer Gewässer angepasst war, mit nichts zu vergleichen. Zur Arterhaltung wurden dann auch sofort Bachforellen, die hier heimische Fischart, in die neuen Aufzuchtbecken eingebracht und wir erwarteten einen guten Abwuchs.

Die vor vier Jahren begonnene Glassammlung war zwar längst etabliert, jedoch wurden wegen des großen Arbeitsaufwands neben unseren fischereilichen Aufgaben nur noch drei Sammlungen pro Jahr durchgeführt. Ende 1978 hatten wir die erstaunliche Menge von über 1.000 t Altglas gesammelt.

1979
Die Besatzzahlen der beiden vorausgegangenen Jahre kamen nun voll zum Tragen. 1979 wurden über eine Tonne Fische gefangen, darunter eine achtpfündige Regenbogenforelle aus der "Unteren Riß".

Im Rahmen der Fischgerechtigkeit wurde beschlossen, dass in allen Fließgewässern nur noch mit künstlichen Ködern und Einzelhakenmontage gefischt werden darf. Diese Maßnahme, sowie der Versuch, ein Zwischenschonmaß für Forellen in der "Oberen Riß" einzuführen, zeigt das fortschrittliche Denken dieser Vorstandschaft, die für sich in Anspruch nehmen durfte, nicht nur von Umweltschutz zu reden, sondern ihn zu praktizieren. In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt der so genannte Rißkanal mit Kalksteinen ausgebaut wurde, um aus einem Abflusskanal ein Fischwasser entstehen zu lassen. Die Zusammenarbeit mit Behörden, öffentlichen Stellen und der Kommunalverwaltung stellte sich als außerordentlich fruchtbar dar.

Die ersten biologischen und chemischen Gewässeruntersuchungen wurden durchgeführt. Dies ohne zu ahnen, welche schicksalhafte Bedeutung sie einmal erlangen sollten...

1980
Die erste Abfischaktion am Fuchsweiher in Rot an der Rot brachte nicht das erwartete Ergebnis. Die Vorstandschaft beschloss dennoch den Weiher weiter zu pachten, da sie eine erfolgreiche Vereinsführung nur gewährleistet sah, wenn eigene Fischaufzucht betrieben werden würde. Man versuchte, aus den begangenen Fehlern Konsequenzen für die weiteren Arbeiten zu ziehen.

Durch den Beitritt bei der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz (ANU) wurde die vom Verein schon lange vertretene Grundhaltung jetzt auch in einem öffentlichen Gremium vorgestellt. Dass unser Verein nicht in das "put and take"-Klischee passte, konnte bei den ersten Sitzungen dieser Organisation deutlich herausgearbeitet werden.

In diesem Jahr startete auch erstmals die so genannte "Christkindls Aktion" des Kreissportfischereivereins. Hierbei wurden geräucherte Forellen an den vier Samstagen vor Weihnachten verkauft und der Erlös kam der sozialen Einrichtung "Essen auf Rädern" und dem Kinderschutzbund zugute.

Die sich eigenständig entwickelnde Jugendgruppe zählte in diesem Jahr schon über 30 Mitglieder und hatte ihre Bedeutung auch im Stadt- und Kreisjugendring durch die Entsendung eines Delegierten gefestigt.

Das Ziel, einen naturverbundenen und fischereilich interessierten Nachwuchs aus den eigenen Reihen heranzuziehen, durften wir als erreicht ansehen. Die Vorstandschaft würde in dieser Richtung weiter arbeiten, denn die Jugendarbeit war seit langem schon einer der Eckpfeiler unserer Vereinspolitik.

Die satzungsgemäßen Neuwahlen ergaben eine Bestätigung des amtierenden Vorstandes.

1981
...war wohl jenes Jahr in der Vereinsgeschichte, das uns allen die schwersten Stunden bereitete. Vier Fischsterben in kurzer Zeit brachten uns verheerende Einbußen, nicht nur in materieller Hinsicht. Die ganze Pionierarbeit bezüglich Gewässergütemessungen mit chemischen und biologischen Methoden schien zuerst umsonst gewesen. Die Vorstandschaft hielt diese Vorgänge protokollarisch fest, wertete sie aus und versuchte, den entsprechenden Behörden die "Schwachstellen" der Riß aufzuzeigen.

So konnten dann doch noch positive Aspekte aus dieser Katastrophe gewonnen werden: Auf unser Betreiben wurden Kontrollstellen zur permanenten Wasserqualitäts-Untersuchung eingerichtet. Weiterhin wurden durch das Wasserwirtschaftsamt Riedlingen Buhnen in die Riß eingebaut, die heute noch richtungweisend sind. Es wurde ein Forschungsauftrag vergeben, der zum Ziel hatte, die Ammonium-Konzentration der Riß in den Griff zu bekommen.

Um unsere Interessen weiter wahrzunehmen, hat die Vorstandschaft die Anwaltskanzlei Maccari in Biberach beauftragt, unsere Schadensersatzansprüche bei den entsprechenden Stellen geltend zu machen.

Im Einvernehmen mit der Stadt Biberach, die nun Altglascontainer aufgestellt hatte, wurde die bisher acht Jahre währende Glassammlung ausgesetzt. Der Verein hatte bis dahin mehr als 1.500 t Altglas gesammelt, die Kartonmenge und das anfallende Altpapier nicht eingerechnet. Diese Umweltschutz-Aktivitäten waren für den Kreissportfischereiverein Biberach schon Realität, als weite Kreise den Umweltschutz noch nicht ernst nahmen. Die nun anfallenden Arbeitsstunden wurden wieder hauptsächlich vereinsbezogen genutzt, um unseren gestiegenen hegerischen und natur- und umweltschützerischen Aufgaben gerecht zu werden. Der finanzielle Ausfall, der durch die Aussetzung der Glassammlung für unseren Verein entstanden war, musste durch vermehrte Arbeitsstunden an den Aufzuchtanlagen ausgeglichen werden.

Leider musste in diesem Jahr nach längerer Zeit wieder eine Beitragserhöhung beschlossen werden, um den gestiegenen Kosten Rechnung zu tragen.

1982
In nur 2½-monatiger Bauzeit wurde eine Forellenaufzuchtanlage bei Warthausen errichtet und die durch Sturmschäden stark in Mitleidenschaft gezogene alte Anlage wieder saniert. Beide Anlagen zusammen waren von ihrer Kapazität her nun so ausgelegt, dass der Bedarf an Besatzforellen jederzeit gedeckt werden konnte.

Ein besonders erfreuliches Ergebnis für unseren Verein brachten die Pachtverhandlungen mit dem Staatlichen Forstamt. So konnten nicht nur die bereits bestehenden Pachtverträge auf 12 Jahre verlängert, sondern auch ein weiteres Teilstück der Riß zusätzlich in Pacht genommen werden. Der neue Rißabschnitt vom Wehr Angermühle bis Brücke Ummendorf versetzte den Verein in die Lage, seinen Mitgliedern ca. 15 km Fließgewässer als Angelrevier vor der eigenen Haustür anbieten zu können.

Eine zusätzliche Erweiterung unserer Fischereimöglichkeiten wurde durch die Fischereierlaubnis im Fuchsweiher bei Rot an der Rot erreicht. Dieses Gewässer hatte in den vergangenen Jahren der Aufzucht gedient und wurde nun der fischereilichen Nutzung zugeführt.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinsführung muss auch die fruchtbare Zusammenarbeit mit der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz (ANU) erwähnt werden. Der Verein würde in diesem Gremium weiter aktiv mitarbeiten.

Mit dem Versuch der Erbrütung von Forellen aus befruchteten Eiern betrat der Verein Neuland. Die Vorstandschaft betonte, dass neben der Bestandserhaltung auch weitere Wege in der Vermehrung der Artenvielfalt und der Verbesserung der Ökologie - soweit sie in unseren Möglichkeiten stehen - beschritten werden sollten.

Für sein langjähriges und verdienstvolles Wirken im Fischereiverein wurde Herr Schuster mit der Goldenen Ehrennadel des Vereins gewürdigt.

1983
Wie im Vorjahr angekündigt, wurden 1983 neue Wege zur Erhaltung der Artenvielfalt unseres Fischbestandes beschritten. Angeregt wurde diese Maßnahme vom Fischerei-Sachverständigen des Regierungspräsidiums in Tübingen, mit dem schon seit langer Zeit eine fruchtbare Zusammenarbeit bestand. Laut seiner Aussage sei es wenig sinnvoll, Forellenmonokulturen in Fließgewässern auszubringen, ohne für die notwendigen Begleitfischarten zu sorgen. Neben einem Erstbesatz an Äschen wurden auch Schmerlen in die Riß eingesetzt. Diese vom Aussterben bedrohte Kleinfischart stand bereits damals auf der roten Liste und war nicht als Angelfisch anzusehen. Wir wollten uns weiter bemühen, auch andere ehemals heimische Fischarten wieder "einzubürgern". Der beste Besatz für ein Gewässer ist der, der durch natürliches Aufwachsen von Jungfischen aus dem Laich der Elternfische, die dieses Gewässer bewohnen, aufkommt. Leider ist dies durch die heutige Gewässerverbauung und -verschmutzung fast nicht mehr gewährleistet. Unser Fischereiverein hatte daher über Jahre den natürlichen Bestand durch Zufuhr von Besatzfischen in seiner Vielfalt erhalten. Nun wurde versucht, in Anlehnung an ein in Amerika entwickeltes Verfahren, künstlich befruchtete Forelleneier in so genannte "Whitlock-Vibert-Boxen" in die Riß auszubringen und dort schlüpfen zu lassen. Die Jungfische befanden sich in ihrer natürlichen Umgebung, und konnten sich dem zukünftigen Lebensraum anpassen. Da die erste Phase dieses Experiments sehr erfolgreich verlief, würden wir in Zukunft weitere Maßnahmen ähnlicher Zielsetzung durchführen.

Ein weiteres Modell im Rahmen des Natur- und Umweltschutzes war der Versuch, auf dem Baggersee in Ummendorf künstliche Inseln zu stationieren. Die ersten beiden Prototypen wurden ausgebracht. Bei entsprechendem Erfolg, nämlich Brutplätze für Vögel zu schaffen, hätten diese Inseln vergrößert und an verschiedenen Stellen im See verankert werden können.

Dieses Jahr zeigte uns, dass der Kreissportfischereiverein Biberach neben seinen fischereilichen Aufgaben besonders den Umweltschutz auf seine Fahnen geschrieben hatte.

Ein erneuter Vorstandswechsel ergab sich durch den berufsbedingten Rücktritt des 2. Vorsitzenden, Bruno Albrecht. Die Mitglieder dankten ihm für seine vorbildliche Arbeit und seinen persönlichen Einsatz. Zum Nachfolger bestimmte die Jahreshauptversammlung Herrn Dr. Georg Karcher.

1984
...war gekennzeichnet von den Aktivitäten der Vorstandschaft, die Pachtverhältnisse in den Griff zu bekommen. So ist es gelungen, für sämtliche Gewässer - mit Ausnahme des Baggersees in Ummendorf - die gesetzlich vorgeschriebene Pachtdauer von 12 Jahren festzuschreiben. Dies war nur dank der guten Kontakte zu den öffentlichen Stellen zu erreichen und deren Verständnis dafür, dass sich unser Verein auch im Natur- und Umweltschutz engagiert hat.

Das Pilotprojekt, künstliche Inseln im Baggersee zu verankern, konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Aus dieser Erkenntnis heraus wurden die Inseln dank eines Zuschusses des Landratsamts Biberach wesentlich vergrößert und an verschiedenen Stellen im Baggersee stationiert.

Pflanzaktionen an der Riß in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Riedlingen hatten begonnen und würden nach Absprache weiter fortgeführt werden.

Weiterhin hatte das Wasserwirtschaftsamt in diesem Jahr den Einbau von Buhnen - diesmal im Mittellauf der Riß - fortgesetzt. Mit diesen vorbildlichen Maßnahmen waren wir, laut Aussage des Leiters der Bezirksstelle für Natur- und Umweltschutz in Tübingen, Dr. Klepser, richtungweisend. Weitere Modellversuche zur Sanierung von Gewässern wurden vorbereitet.

Im Sinne des Gewässerschutzes war unsere Jugendgruppe aktiv tätig. Sie hatte die Bachpatenschaft für den Wolfentalbach übernommen und konnte, profitierend aus den Erfahrungen des Hauptvereins, Sanierungsarbeiten an diesem Gewässer in eigener Regie durchführen.

Als Erfolg unserer Bemühungen, die heimische Bachforelle wieder der Eigenvermehrung zuzuführen ("Whitlock-Vibert-Box") musste die Tatsache gewertet werden, dass die aus den Forelleneiern stammende einsömmrige Bachforellenbrut jetzt schon die Riß bevölkerte. Dass die eingesetzten Besatzfische auch gediehen, zeigte der Fang eines 22-pfündigen Hechts im Baggersee; auch eine Bachforelle mit über 5 Pfund konnte sich sehen lassen.

Da der Arbeitsaufwand in der Vorstandschaft enorm gestiegen war, wurde auf Antrag des 2. Vorsitzenden der Gesamtvorstand um die Bereiche Fischaufzucht, Geräte- und Gebäudeverwaltung und Öffentlichkeitsarbeit erweitert.

1985
Nach langwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde Warthausen konnte die Genehmigung zur Errichtung einer Schutz- und Gerätehütte erreicht werden.
Dank der großzügigen Spende von fünf Baucontainern wurden wir in die Lage versetzt, unsere räumlichen Engpässe zu beheben. Die dazu notwendigen Bau- und Änderungsarbeiten nahmen einen großen Teil des Jahres in Anspruch, da sie nur von wenigen Vereinsmitgliedern ausgeführt wurden. Im Spätherbst war geplant, die Anlage zu begrünen und den Vorplatz zu bepflanzen. Mit dem Innenausbau sollte erst im nächsten Jahr begonnen werden.

Wir dürfen hier noch einmal Herrn Freiherr Dietrich von König unseren Dank für sein großzügiges Entgegenkommen aussprechen. Wir durften auf seinem Grundstück dieses Gebäude errichten, und er ermöglichte uns auch einen längerfristigen Pachtvertrag.

Als weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr war der Beginn des Ausbaus eines Feuchtbiotops am Spitzweiher zu werten. Es wurde anlässlich unserer 25-Jahr-Feier am 19. Oktober vorgestellt. Nach dieser ersten Ausbaustufe würde - dem Plan des Landratsamts Biberach folgend - in ein bis zwei Jahren das gesamte vorgesehene Gebiet den Bedürfnissen eines Feuchtbiotops angepasst werden.

Die Vorbereitung der 25-Jahr-Feier nahm dieses Jahr einen breiten Raum ein und wurde, wie bereits angedeutet, am 19. und 20. Oktober am Spitzweiher gefeiert.

Es kam zu einem Feldgottesdienst mit der Gemeinde Ringschnait, diversen Festansprachen, einer Ausstellung verschiedener Vereinsgeräte (E-Gerät, Boot, Netze usw.), Angelgerätevorführungen, Demonstrationen des Fliegenfischens, einer Biotopvorstellung u.v.m.

Herr Willi Friedrich wurde mit der Goldenen Ehrennadel vom Landesverband für seine langjährige Tätigkeit ausgezeichnet. Herr Josef Brüstl erhielt als treues Gründungsmitglied die Goldene Ehrennadel des Vereins überreicht.

- HS/AR

Hier gehts weiter mit Teil 2

Die hier niedergeschriebene Vereinsgeschichte kann auch im Downloadbereich heruntergeladen werden.

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